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Stellungnahme/Pressemitteilung:
Kein Luchs ist 'gechipt'

(Erschienen in Soester Anzeiger, Lokalteil Warstein, vom 7. Januar 2012 und Westfalenpost/Westfälische Rundschau, Lokalteil Warstein, vom 7. Januar 2012)

Transponder-Chip
Einen solcher Transponder-Chip müsstem alle Luchse im Körper tragen, das ist eindeutig vorgeschrieben.
Keiner der Warsteiner Luchse ist jedoch gechipt.

„Der Bilsteintal e.V. habe einen rundum gelungenen Start hingelegt“, zeigt sich der Vorsitzende Rüdiger Brüggemann zum Jahreswechsel sichtlich zufrieden. Vorstand und Vereinsmitglieder seien mit viel Engagement und Spaß an der Sache dabei. Hilfreich sei auch die große Zustimmung und wachsende Unterstützung aus der Bevölkerung und von Warsteiner Unternehmen.

Als Renner in der Vorweihnachtszeit entpuppte sich das „Winterzauber“-Angebot. Fast 300 zusätzliche Besucher wanderten unter Leitung von Stefan Enste mit Laternen durch den Wildpark und genossen den Glühwein in der großen Halle der Bilsteinhöhle.

Für reichlich Aufregung sorgte in den letzten Wochen der ausgebüxte Luchs. „Bei allen Bemühungen, ihn in den Wildpark zurückzuholen, war es doch immer wieder schön zu erfahren, mit welch großer Sympathie dieser „Ausflug“ von vielen Menschen und den Medien begleitet wird“, so Rüdiger Brüggemann. „Wir hoffen, dass der Freigänger in den nächsten Tagen wieder im Luchsgatter besucht werden kann!“

„Mit Blick auf die Zukunft des „Naturerlebnisparks Bilsteintal“ laufe alles sehr gut“, so Brüggemann.

Bei all dem Schwung, der zur Zeit im Tal zu erleben sei, bereite eine Altlast, eine vermeintliche Nebensächlichkeit, derzeit großen Ärger. Der „Freigang“ des einen Luchses habe dazu geführt, dass ein erhebliches Versäumnis aus den letzten Jahren offenkundig geworden sei: Die Luchse wurden nicht gechipt.

Nachdem der Luchs ausgebüxt war, hat der Verein Tierärztin Dr. Weber gebeten, zur turnusmäßigen Impfung der Luchse auch ein Lesegerät für Transponder-Chips mitzubringen, um festzustellen, welcher der Luchse entlaufen ist. Frau Dr. Weber musste mit ihrem Lesegerät feststellen, dass keiner der Luchse gechipt ist.

Das bedeutet, dass eine protokollierte und mehrfach gemachte Zusicherung des städtischen Vertreters nicht den Tatsachen entspricht.

Uebergabe-Begehung
Offizieller Termin auf dem Parkplatz:
Übergabe-Begehung mit Vertretern des Vereins Bilsteintal e.V. und der Stadtverwaltung Warstein am 23. September 2011.

Zweifel, dass alle Auflagen in der Vergangenheit erfüllt wurden, gab es schon zuvor, denn zwei Wochen nach der Übergabe bekam der Verein zusammen mit den Impfbüchern und den Papieren der Luchse auch einen Transponder-Chip ausgehändigt. Damit war schon klar, dass zumindest einer der Luchse nicht gechipt sein konnte.

Da die Chips nicht eingesetzt wurden, sei es jetzt nicht möglich, den Freigänger zu identifizieren. Dies habe, und da widerspricht Brüggemann der Einschätzung der Verwaltung vehement, in der aktuellen Situation möglicherweise eine doch erhebliche Bedeutung. Im Arnsberger Wald gebe es seit etlichen Jahren immer wieder Sichtungen von freilebenden Luchsen, auch innerhalb der letzten Wochen und Monate. Es erscheine zwar unwahrscheinlich, sei aber durchaus denkbar, dass bei der derzeitigen Verfolgung des Ausreißers aus Versehen ein freilebender, wilder Luchs narkotisiert wird. Dieser würde unsagbarem Stress ausgesetzt sein, wenn er im Gehege, in Gefangenschaft, erwachen würde. Wäre dagegen der Ausreißer mit einem Transponder-Chip ausgestattet, könnte ganz leicht am schlafenden Tier dessen Identität festgestellt werden. Das sei jetzt nicht möglich. Auch könnte es sein, dass an den Verein Haftungsansprüche gerichtet würden, obwohl unklar wäre, ob tatsächlich der Freigänger der Verursacher des Schadens gewesen sei.

Rechtsanwalt Brüggemann verweist zudem auf die enorme rechtliche Tragweite dieser Unterlassung.
Der Bundesartenschutzverordnung § 12 sei zu entnehmen, dass derjenige, der bestimmte Tiere hält, diese unverzüglich kennzeichnen müsse. Gemäß Anlage 6 zur Bundesartenschutzverordnung gehöre der Luchs zu den kennzeichnungspflichtigen Tieren. Nach § 13 i.V.m. Anlage 6 seien Luchse mit einem Transponder-Chip zu kennzeichnen. § 16 Abs. 2 Nr. 10 sei zudem zu entnehmen, dass das Unterlassen der Kennzeichnung - gleichgültig ob vorsätzlich oder fahrlässig - eine Ordnungswidrigkeit darstelle. Nach § 69 Abs. 3 Nr. 27 i.V.m. § 69 Abs. 6 Bundesnaturschutzgesetz könne diese Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 50.000,00 € geahndet werden.

Dass die Stadt Warstein mit der Unteren Landschaftsbehörde geklärt haben will, dass auf die Kennzeichnung vorerst verzichtet werden dürfe, sei dem Verein nicht bekannt und werde für unwahrscheinlich gehalten. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Luchse schon seit 10, 41/2, 21/2 und 11/2 Jahren im Besitz der Stadt Warstein seien.
Der Bilsteintal e.V. wird eine Stellungnahme der Unteren Landschaftsbehörde dazu einholen.


Sehr bedauerlich sei auch, so Brüggemann, die Art und Weise, wie Herr Dictus versucht habe, den Verein „anzuschwärzen“. Er habe damit dem Bemühen um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit eine „(Höhlen-)Bärendienst“ erwiesen.
In einer Darstellung gegenüber der Kreispolizeibehörde hatte Förster Dictus formuliert: „Ich halte es für sehr bedenklich, dass seitens des Eigentümers des Luchses, dem Bilsteintal e.V., offensichtlich nichts unternommen wird, um den Luchs zu fangen.“

„Diesen Unterstellungen müsse klar widersprochen werden“, so Brüggemann, um auch die Mitarbeiter vor jedweden Spekulationen, egal aus welcher Richtung, zu schützen. Der Vereinsvorstand und die Höhlenführer bemühen sich seit Bekanntwerden des Fehlens, den Luchs zurückzubekommen. Seit die Aufenthaltsbereiche bekannt sind, wird zum Eversberger Förster Wiese und dem Luchs-Experten und Tierarzt Dr. Kaiser ständiger Kontakt gehalten. Dr. Kaiser soll den Luchs immobilisieren, also betäuben, damit das Tier stressfrei ins Luchsgehege zurückgebracht werden kann.

Der Verein nimmt seine sich aus Gesetz und Pachtvertrag ergebenden Pflichten sehr ernst. Er wird alle Luchse mit Transponder-Chip versehen lassen und geht davon aus, dass die Stadt Warstein die hierdurch entstehenden Kosten trägt.

Zudem wird sich der Bilsteintal e.V. mit einer detaillierten Darstellung dieser unbefriedigenden Abläufe an Bürgermeister Gödde und die Ratsparteien wenden, mit dem Ziel, eine Vertrauensbasis zwischen Verwaltung und Verein für die zukünftige Zusammenarbeit zu sichern.

 


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